Ostpreußische Kaltblutpferd

-Ermländer
Geschichte und Werdegang der ostpreußischen Kaltblutzucht
von Dietrich Born-Dommelkeim
Als vor 600 Jahren der deutsche Ritterorden in Ostpreußen sein einzig dastehendes Kolonisationswerk begann, waren diese kriegerischen Mönche nicht nur darauf bedacht, die heidnischen Preußen zur christlichen Religion zu bekehren, sondern sie schufen in diesem Lande eine Landwirtschaft, über deren Aufbau wir sorgfältig beglaubigte Nachrichten haben, welche uns noch heute in Staunen und Bewunderung versetzen. Neben der Ausgestaltung aller anderen Zweige der Landwirtschaft lag dem Ritterorden der Aufbau der Pferdezucht besonders am Herzen, denn einmal brauchte er das schwere Kampfroß - den Tank der damaligen Zeit - und andererseits war er bemüht, den aus Deutschland zugewanderten Kolonisten und den unterworfenen Landesbewohnern ein leichteres Wirtschaftspferd zur Verfügung zu stellen, mit dessen Hilfe die Landbebauer ihre Landwirtschaft betreiben konnten.Im Lande verstreut richtet der Orden zahlreiche Gestüte ein,in welchen schwere Hengste standen, die zum Teil aus den Niederlanden, Dänemark und auch Thüringen angekauft waren. Selbstverständlich wurde diese Zucht des schweren Warmblutpferdes besonders in den fruchtbaren Bezirken des Ermlandes betrieben - einem Landstrich,welcher die heutigen Kreise Braunsberg, Heilsberg, Rössel und Allenstein umfaßt. Folgedessen sind die Wurzeln der ostpreußischen Kaltblutzucht uralt,denn nach dem Zerfall des deutschen Ritterordens haben die für die Landwirtschaft passionierten Bischöfe immer wieder sich bemüht, die durch Kriege, Pest und Mißernten dezimierte Pferdezucht wieder aufzubauen. So hat der zähe, mit seinem Boden verwurzelte ermländische Bauer an seiner alten Rasse festgehalten, und wenn man auch versuchte, mit mehr oder minder Erfolg dieses Landpferd mit anderen Schlägen durchzukreuzen, der alte Ermländer ging nicht unter und wartete auf seine große Zeit, welche ihm durch eine feste Organisation beschieden war. Nachdem in den Jahren 1911/12 durch eine Körordnung die belgische bzw. rheinische Rasse als a l l e i n i g e Unterlage für den weiteren Ausbau bestimmt wurde und man endlich aus dem Wirrwarr herauskam, war der Boden sorgfältig vorbereitet, auf welchem das im Jahre 1914 begründete ostpreußische Stutbuch für schwere Arbeitspferde aus kleinsten Anfängen mit seiner züchterischen Arbeit beginnen konnte. Wenn auch der Weltkrieg zunächst der Entwicklung dieses jungen Provinzialverbandes Fesseln anlegte, so begann im Jahre 1919 ab, in dem wir bereits die erste Kaltblutauktion wagten, ein Aufstieg und eine Entwicklung ohnegleichen.Die alten Ermländer Stutenstämme wurden gesamt als eine der wichtigsten Grundlagen dieser neu organisierten Kaltblutzucht, weit über 100 Hengsthaltungsgenossenschaften begründet und durch diese bedeutsamen Maßnahmen eine Pferdezucht des schweren Schlages in Ostpreußen auf lange Sicht begründet und fest verankert. In dankenswerter Weise gab der Staat zur Anschaffung wertvoller Vatertiere zinslose Darlehen. Die Leitung dieser Stutbuchgesellschaft hatte sich unbeirrbar als Zuchtziel ein mittelschweres, zähes und gängiges Kaltblutpferd, blutsverwandt mit dem rheinisch-deutschen Typ zur Aufgabe gemacht. Während in den ersten Jahren die Mehrzahl der Vatertiere aus Belgien und dem Rheinland stammten, ist es gelungen, das Modell des bodenständigen ostpreußischen Kaltblutpferdes immer weiter auszugestalten und auch die Zahl der selbstgezüchteten, heimatlichen Hengste von Jahr zu Jahr heute auf eine beachtlichen Prozentsatz zu steigern. Es wurden von der Leitung des Stutbuches alle Maßnahmen getroffen, um die heimatliche Zucht zu fördern und zu verbessern. In 165 Kaltblutauktionen des Ostpreußischen Stutbuchs wurden nicht nur in der Provinz, sondern auch an mehreren Stellen des Reiches Absatzgebiete erworben und auch durch Stallvermietung Käuferkreise gefunden, welche seit langen Jahren mit großer Treue das ostpreußische Kaltblutpferd, welches noch heute im Handel als E R M L Ä N D E R bezeichnet wird, als geeignetes Wirtschaftspferd auswählen. So konnten wir unseren ostpreußischen Bauern einen sehr w i c h t i g e n E r w e r b s z w e i g in die Hand geben, welcher ihnen oftmals geholfen hat, in schwerster wirtschaftlicher Not den Familienhof zu erhalten. In der im Januar jeden Jahres stattfindenden großen Hengstkörung in Königsberg, verbunden mit einer Auktion, hat der ostpreußische Züchter Gelegenheit, nicht nur einen Einblick in den Aufbau unserer Zucht zu erhalten, sondern er ist auch in der Lage, sich einen geeigneten an - gekörten Hengst zu erwerben. Die im Sommer stattfindenden Stutenkörungen mit Fohlenbrennterminen und Hengstnachzuchtbesichtigungen,sowie die Kaltblutschauen sind für den Züchter eine willkommende Gelegenheit, sich Anregungen und Kenntnisse zu erwerben.So wurde seit 1934 eine große Anzahl von Ermländern für die Wehrmacht geliefert. Da zeigte es sich, daß der ostpreußische Kaltblüter mit seiner gesunden, naturgemäßen Aufzucht, seinem mittelschweren Typ und seinen lebhaften Bewegungen das geeignete Pferd für die Bespannung der schweren Artillerie ist. Aus allen Bezirken haben wir anerkennende und lobende Urteile über unser Kaltblutpferd erhalten, in welchem besonders die Genügsamkeit, Zuverlässigkeit und Befähigung, auch längere Trabstrecken ohne Anstrengung zurück-zulegen, hervorgehoben wird.So haben die im Ostpreußischen Stutbuch für schwere Arbeitspferde,welches im Jahre 1939 sein 25jähriges Jubiläum begeht, vereinigten Züchtern nicht nur für ihre heimatliche Landwirtschaft, sondern weit darüber hinaus für die deutsche Wirtschaft ein Kaltblutpferd gezüchtet, welches viel dazu beigetragen hat, die Einfuhr der ausländischenPferde auf einen geringen Prozentsatz zu beschränken. Überall da, wo unser Ermländer sich eine neue Heimat erworben hat, ist er auch weiterhin in ländlichen und städtischen Fuhrwerksbetrieben ein gern gesehener Arbeitskamerad geworden.

Mutterstute mit Saugfüllen von Frau Röse, XVI. Ostpreußische Kaltbluthengstschau Roggenhofen Aufgen. Mai 1938 -Körung,-Prämierung und Versteigerung 25.-29.Januar 1937 in Königsberg/Pr.

Eine Zuchtstutensammlung auf der Mehlsacker Kaltblutschau von G. Romanowski-Mehlsack

Wenige Tage altes v. “Golfspieler” mit Saugfohlen von Gunther Ldb.Ra. Mutterstute v.D. Hasselberg, Plauen. von Müller - Holtkamp,
Aufgen. Mai 1938 Junkerken. Mai 1938
Aufbauend auf dem alten Zuchtziel, das wie folgt auf der Ostschau 1938 in Königsberg/Pr. formuliert wurde:
Der ostpreußische Kaltblüter ist ein kräftiges, zähes, tiefes, gut gebautes Pferd mit starken Knochen und reinen Gelenken. Auf langen Schritt und energisches Trabvermögen bei mit starker Bemuskelung gut gestellten Beinen wird besonders Gewicht gelegt. Durch Dauerweidegang und in den Wintermonaten große Raufuttergaben wird eine gute Rippenwölbung mit tiefer, geschlossener Mittelhand und kräftigem Rücken angestrebt. Die Schwere der Kaltblüter bestimmen allein die betriebswirtschaftlichen Verhältnisse der Zuchtstätte. Es galt eine bodenständige ostpreußische Kaltblutzucht im Rahmen des rheinisch-deutschen Kaltblutschlages zu schaffen. Es war notwendig, Zuchtrichtung und Zuchtziel zu vereinfachen und alle Zuchtbestrebungen zu sammeln und einheitlich zu gestalten.

2 1/2 jähr. “Demokrat” Ostpr. Kaltbluthengst Großfürst
- Sohn von Theater-Heinrikau / 1252, geb.01.11.31
Krs. Braunsberg V.: Central 988
M.: Cato 3372
München 1937 1.Preis und
Siegerehrenpreis
Z.: Romanowski Mehlsack
Bes.: Valentini- Henriettenhof
Weiterhin unterschied man zwei wesentliche Zuchtrichtungen:
1. das schwere Zugpferd (s.Z.). Es soll ein gängiger, nicht zu schwerer Kaltblüter sein Größe 1,56 - 1,60 Stockmaß.
2. Schwerste Zugpferde (s.s.Z) Größe 1,58 - 1,65 m.
Verlangt werden gängige Kaltblüter mit kräftigem, starkem Knochenbau und entsprechendem Wuchse, breiter und tiefer Brust im Gewicht von 650 bis 750 kg. Die Pferde müssen bei schwerer Zugleistung ausdauernd und widerstandsfähig, auch in tieferem Boden zugfest sein und auf gebahnten Wegen längeren Trab (3-4 km) durchhalten können.
Gezüchtet werden soll ein kräftiges, zähes, tiefes, gutgebautes Pferd mit starken Knochen und reinen Gelenken, das aufgrund seiner Bemuskelung ein langes Schritt - und energisches Trabvermögen aufweist. Eine gute Rippenwölbung mit tiefer, geschlossener Mittelhand, sowie
einem kräftigem Rücken wird angestrebt. Es soll ein gängiger nicht zu schwerer Kaltblüter mittlerer Größe (ca. 156-160 cm) gezüchtet werden, der den Anforderungen und vielfältigen
Nutzungsmöglichkeiten der heutigen Zeit: Fahrsport, Land.- und forstwirtschaftliches Arbeitspferd aber auch vielseitig verwendbares Familienpferd entspricht, aber auch gleichzeitig alle Merkmale und Vorzüge des ostpreußischen Kaltblutpferde verkörpert.
Besonders zu erwähnen wären hierbei:
-Robustheit
- hohe Arbeitswilligkeit
- hohes Maß an Kraft und Ausdauer
- Genügsamkeit/Leichtfüttrigkeit
- Charakterfestigkeit
- leichte Handhabbarkeit
-ruhiges ausgeglichenes Wesen
Dieses Zuchtziel zugrundelegend wird angestrebt, diese Rasse in der Bundesrepublik Deutschland wiederzubeleben. Grundlage dazu bilden rassetypische noch erhaltene Pferde aus dem ehemaligen Ostpreußen-Ermland, die aus dem heutigen Polen eingeführt werden.
Vorgesehen dazu ist die Anschaffung von 5 Zuchtstuten und einem Hengst - als erster Abschnitt - , des Zuchtaufbaues.
Da diese alte deutsche Rasse nicht unter dem Namen “Ermländer” geführt wird und auch kaum Nachweismöglichkeiten der Abstammung aus der Vorkriegszeit existieren, ist es nur möglich, rassetypische Exemplare zu erwerben und eine Neueintragung vorzunehmen.
Die Wiederbelebung dieser Rasse unter Berücksichtigung der heute veränderten Nutzungsmöglichkeiten soll im Vordergrund stehen. Angebracht ist die Zucht von vielseitig verwendbaren Kaltblutpferden, die durch ihre Exterieur Merkmale und ihre Charakterstärke für folgende Verwendungszwecke geeignet sind:
- Land- und forstwirtschaftliche Nutzung
- touristische Nutzung als Reit- und Gespannpferd
- vielseitig einsetzbares Pferd zur Nutzung im freizeitmäßigen sowie arbeitstechnischen Bereich im ländlichen Raum